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15.07.07 Hectors Reise. oder die Suche nach dem Glück von Francois Lelord ist seit langer Zeit mal wieder ein Buch, das mich in seinen Bann geschlagen hat. Ein Psychiater wundert sich über das anscheinend unmotivierte Unglücklichsein seiner Patienten und begibt sich auf eine Weltreise, um das Wesen des Glückes zu erkunden. In einfacher Sprache vermittelt Lelord tiefsinnige und interessante Einsichten zum Wesen des Glückes. Populärwisschenschaftlich und erzählerisch wie die Sendung mit der Maus ist der Stil des Buches. Dennoch oder gerade deshalb sind die Lehren des gelernten Pschiaters, vermittelt durch die Fährnisse, die seinem Helden Hector widerfahren, wissenschaftlich belegt und sehr lesenswert. Auch Hans-Olaf Henkels These, dass Zufriedenheit ein Funktion des Abstandes zwischen Erwartung und Realität ist, wird hier hergeleitet und erläutert, sogar über empirische Studien. Ein weiteres Buch mit Wissenswertem über den Sinn des Lebens. Hier seine Lektionen:

  1. Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen
  2. Glück kommt oft überraschend
  3. Viele Leute sehen ihr Glück nur in der Zukunft
  4. Viele Leute denken, daß Glück bedeutet, reicher oder mächtiger zu sein
  5. Manchmal bedeutet Glück, etwas nicht zu begreifen
  6. Glück, das ist eine gute Wanderung inmitten schöner, unbekannter Berge
  7. Es ist ein Irrtum, zu glauben, Glück wäre das Ziel
  8. Glück ist, mit den Menschen zusammen zu sein, die man liebt
  9. Glück ist, wenn es der Familie an nichts mangelt
  10. Glück ist, wenn man eine Beschäftigung hat, die man liebt
  11. Glück ist, wenn man ein Haus und einen Garten hat
  12. Glück ist schwieriger in einem Land, das von schlechten Leuten regiert wird
  13. Glück ist, wenn man spürt, dass man den anderen nützlich ist
  14. Glück ist, wenn man dafür geliebt wird, wie man eben ist
  15. Glück ist, wenn man sich rundum lebendig fühlt
  16. Glück ist, wenn man richtig feiert
  17. Glück ist, wenn man an das Glück der Leute denkt, die man liebt
  18. Glück wäre, wenn man mehrere Frauen gleichzeitig lieben könnte
  19. Sonne und Meer sind ein Glück für alle Menschen

Na bitte, dem ist wohl nichts hinzuzufügen

 

21.02.06 John Irving Until I find you ist ein weiteres Meisterwerk für Liebhaber Irvingscher Prosa, die ihren Spaß haben an alltäglicher schräger Tragikkomödie. Ein Kind wächst heran, während seine Mutter ihn in einen Kokon von Lügen über sich, seine Mutter und seinen Vater einspinnt. Erst nach ihrem Tod kann der Erwachsene sich langsam aus diesem Kokon und seinen daraus resultierenden Obsessionen befreien und zu seiner Schwester, seinem Vater und letztlich zu sich finden. Das Ganze ist ein 820 Seiten langer Parforce Ritt durch die ganze Westliche Welt, ihre Sprachen, ihre Kirchen, Schulen, Hotels und Rotlichtbezirke. Stark autobiographisch. Anrührend. Wer hat nicht seine Michelle Maher, ob er sie nun wieder trifft oder nicht.

 

Unbedingt lesen.

30.12.05 Daniel Kehlmann Die Vermessung der Welt ist ein perfektes Weihnachtsgeschenk. Der Autor versteht es, mit leichter und humorvoller Schreibe zwei Geistesriesen der Deutschen Vergangenheit, Humboldt und Gauss, dem Leser nahezubringen. Sachlich thematisch interessant und gleichzeitig fesselnd und amüsant. Ein Meisterwerk.

17.11.05 Ian McEwan Amsterdam ist ein sehr lesenswerter Roman über das moralische Herunterkommen der 68er Generation als Ergebnis und Preis ihres Erfolges. Der Roman hat alles, was einen guten Schmöker ausmacht. Sex and drugs and Rock and Roll. Und kluge pointierte Charakterisierung der Personen und Vorgänge. Und natürlich britisches Lokalkolorit, das immer ein besonderes Behagen im Spätherbst erzeugt.

Martin Walser Der Lebenslauf der Liebe braucht man nicht lesen. Wen interessiert schon Susi Gerns exaltierte Befindlichkeiten, whrend ihr Gatte auf Frau Pudlich liegt. Walser war mal richtig gut. das ist offenbar lange her.

23.03.05 Hakan Nesser Kim Novak badete nie im See von Genezareth. Ein Kim Novakschwedischer Roman über Liebe und Tod, über das ewig Weibliche und Jungs mit 14. Wer alles von Mankell gelesen hat, und wer das schwedische Lokalkolorit liebt, sollte sich Nesser vornehmen. Kim ... ist sein Durchbruch zum Erfolg. Alles drin. Sex and Crime, ewige Liebe, Kindheit und Pubertät, Mittsommernacht und viel Nordisches, Gemüt und Landschaft. Und vor allem die schöne Ewa Kaludis aus dem Baltikum, die so aussieht wie Kim Novak. Wegen der natürlich die Welt aus den Fugen gerät. Sich aber dann doch wieder zu einem Happy End der besonderen Art zusammenfügt. Auch lesenswert: Die Frau mit dem Muttermal. Mehr Kriminal- als Roman. Eine Frau nimmt Rache. Die Polizisten rätseln.

Leif Persson Zwischen der Sehnsucht des Sommers und der Kälte des Winters. Schon wieder Schweden ! Diesmal die Welt des kalten Krieges und der Geheimdienste, deren Umgang mit dem mysteriösen Tod eines Amerikaners, und wie die Polizei dazu steht. Bezeichnend ist, daß die handelnden Personen immer A sagen, wenn sie B denken, und beides wird erschöpfend dargestellt. Dadurch wird das Werk auch etwas lang, man muss es öfters zur Seite legen, wenn das retardierende Moment von Spannung in Müdigkeit umschlägt. Aber man nimmt es immer wieder in die Hand, nicht zuletzt, um rauszufinden, wies ausgeht. Es geht natürlich überraschend aus, aber nicht positiv. Lästig fällt auch die relativ kurzwellige Verflechtung (zu) vieler gleichzeitiger Handlungsstränge. Trotzdem: Lesen !

Martin Walser Tod eines Kritiikers Ein Schlüsselroman um Reich-Ranitzki soll es sein. Wer's mag...oder wer näher dran ist und entschlüsseln kann. Ich find's belanglos.

21.02.05 Dan Brown Sakrileg (Da Vinci Code). Ein fetter Schmöker für paranoide Verschwörungstheoretiker, Fans der Templer und Sucher nach dem heiligen Gral. Seit Umberto Eco ist diesem Thema eigentlich nichts mehr hinzufügen. Aber für Amerika langts noch, das Thema ein weiteres Mal zu verwursten. Brown schreibt nicht schlecht, mitunter spannend, aber kommt halt aus dem Schatten des Foucault'schen Pendels nicht heraus.

14.10.04 Thomas Kapielski Danach war schon, Gottesbeweise I..VIII. Ein hochkomischer Sprachkünstler, der Mann. Sozusagen wie Eckhard Henscheid, aber mit Soziologiestudium. Seine feinsinnigen und wortgewaltigen Glossen sind prima Unterhaltung. Immer originelle Perspektiven. Schräge Wortwahl. Berliner Kneipenszene (schon wieder!).  Der erste Band der Gottesbeweise bewältigt die frühe Phase der Wiedervereinigung. Veräppelt die Taz. Das Fennseh (Henscheid). Und das Phalentins Musäum. Man hat was zu lachen. Und was dazugelernt.

1.10.04 Alberto Moravia La Noia Skandalumwitterter Roman aus dem Italien des der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Erotische Freizügigkeit ist aus heutiger Perspektive kaum noch zu finden. Auch die Typen, der Maler als Held der Geschichte und die junge Frau, das Objekt seiner Begierde, sind heutzutage kaum noch so vorstellbar. Aber La Noia, die Langeweile, schon. Allerdings die spezielle Form oder Definition von Langeweile, so wie Moravia sie beschreibt, und die dazugehörigen Auswirkungen, kann man zumindest originell nennen. Insofern bietet der Roman auch heute noch Amüsantes. Richtige Stellen findet man allerdings nicht. Das hat mich als Teenager beim ersten Leseversuch, angezogen durch das geile RoRoRo Titelbild, richtig enttäuscht. Heutzutage freue ich mich immer noch am Titelbild, das meinem weiblichen Schönheitsideal sehr nahe kommt, und darüber hinaus an der Schönheit der Sprache im Buch. Fazit: Sollte man lesen

29.9.04 Jenny Zylka 1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann Ein amüsanter Roman aus Berlin, eine Geschichte ohne Botschaft und ohne Spannungsbogen, aber verziert mit Pointen und Gags, die recht originell sind. Die Heldin lebt ein Freelancer Leben am Rande des Kultur- und Medienbetriebs so vor sich hin, feiert ihr Single Dasein und geniesst die Freundschaft eines Schwulen. Liebenswert ihr Verhältnis zu ihrem schrägen Auto, einem Fiat 128 Coupe aus den frühen Siebzigern. Enttäuschend die fehlende Auflösung des einzigen Spannungselements, ihre Beziehung zu dem Radiomoderator Dr. Bob. Fazit: Plätschert angenehm. Lektüre für die Badewanne.

 

17.4.04 Martin Suter Dark Side of the moon Dieser ultimative Trip von Pink Floyd hat Martin Suter zu einem seiner bewährt guten beinahe-Krimis inspiriert. Zürich als Handlungshintergrund. Schweizer Manager und Anwälte als handelnde Personen. Lokalkolorit und Helvetismen in der Sprache. Für Fans der Schweiz ein muß ! Urs (!) Blank, ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt in den Vierzigern trifft Lucille, ein verspätetes Blumenkind in den 20ern. Das Unvermeidliche passiert, und Urs geht mit Lucille auf einen multidimensionalen Trip. Ego, midlife und Pilze. Letztere führen mittels eines interessanten Betriebsunfalls zu einer Persönlichkeitsveränderung bei Urs, die ihn aus der Bahn und aus seinem Leben wirft. Ein klassisches Sutter Thema. Mit seiner leichten und präzisen Sprache teilt Sutter Wesentliches und Bemerkenswertes mit. Nicht ohne allerdings auch einigen seiner Manierismen anheimzufallen, wie z.B. sein zwanghaftes einstreuen von Szenen aus dem Rotlichtmilieu. Hier zwar nur sparsam aber doch unübersehbar.

 

 

21.4.04 Aniruddha Bahal Bunker 13 Englische Literatur aus Indien. Ein Skandaljournalist begibt sich auf undercover Trips ins indische Militär, in den indischen Geheimdienst, in die russische Drogenmafia und sonstige Extremitäten. Das alles in einer Art kontinuierlichem Drogenexzess. Einblicke in das Nachtleben der Jeunesse doree in Delhi. Und vor dem Hintergrund einer einzigartigen, unglaublichen cover Story. Man fragt sich ständig, wo gehts über vom Autobiographischen ins Fiktive. Und immer noch scheint Letzteres so gut recherchiert, dass man auch hier Realitätsnähe vermuten kann. Wenn diese Vermutung stimmt, ist der Subkontinent ein restlos verrückter Teil der Welt. Bei alledem ist Bahals Sprache wortgewaltig, elegant und schnoddrig zugleich.